Solidarische Landwirtschaft - sich die Ernte teilen

Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) ist eine Form der Landwirtschaft auf vertraglicher Basis. Dabei kooperieren Verbraucher auf lokaler Ebene mit einem Partner-Landwirt. Dies geschieht auf Gegenseitigkeit: die Verbraucher garantieren dem Landwirt die Abnahme der Produktion (meist für ein Jahr). Im Gegenzug erhalten sie zumeist wöchentlich Ernteanteile und haben Einblick in die Produktion. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es mehrere SoLawi´s.




SoLawi - ein Erfahrungsbericht (von Stefanie Weigelmeier)

Auszug aus meinem SoLawi-Tagebuch (30. Juni 2016): Heute gab es 2 Salatköpfe (sie werden langsam größer), einen Blumenkohl (mit ziemlich viel Grün), zwei riesige Gurken, eine Zucchini, einen immer noch recht kleinen Fenchel (dafür aber mit dem ganzen Fenchelgrün), 600 g dicke Bohnen, etwas Bohnenkraut und 1 kg Kartoffeln.

So langsam werden die Wochenanteile größer und ich mit meiner Entscheidung, Mitglied bei der Solidarischen Landwirtschaft im Nachbardorf Hebenshausen zu werden immer zufriedener.

In einer Solidarischen Landwirtschaft tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes, wofür sie im Gegenzug die Ernte erhalten. Das bedeutet, dass ich mir für einen monatlichen Mitgliedsbeitrag jede Woche (je nach Saison auch zweimal pro Woche) meinen Ernteanteil abholen kann. Das bedeutet aber auch, dass der Umfang des Ernteanteils je nach Saison variiert: Im Sommer mehr und mit einer größeren Vielfalt, dafür gibt im Winter mehr Lagergemüse und kleinere Portionen. Dabei liegt es im Geschick der GärtnerIinnen die Aussaat so zu planen, dass es vielleicht auch im Winter eine kleine Portion frisches Grün für jeden gibt, z.B. Portulak oder Feldsalat.

Für mich stellt das Konzept einen unmittelbaren Bezug zur Saisonalität her: im Winter Kohl und Kartoffeln, im Frühjahr Mairübchen, dann Dicke Bohnen, Erbsen, irgendwann die ersten Tomaten. Darüber hinaus kenne ich „meine“ ErzeugerInnen: bei den monatlichen Mitmach-Samstagen werden die Mitglieder eingeladen, bei der Arbeit mitanzupacken, so machen auch Unkraut-Zupfen oder Zucchini-Mulchen Spaß!

Den Abholtag erwarte ich nun schon immer recht gespannt – was wird es diese Woche wohl geben?! Aber auch mit „Überraschungen“ wird man nicht allein gelassen und kann bei Bedarf ein Rezept für ein bisher unbekanntes Gemüse bekommen. Mittlerweile schätze ich den ätherischen Geschmack der Mairübchen roh aber viel zu sehr, als dass ich sie kochen würde und auch der Salat kommt mir geschmackiger und gehaltvoller vor als jeder gekaufte.

Ich finde es bemerkenswert, dass es im Werra-Meißner-Kreis gleich mehrere Solidarische Landwirtschaften gibt: den Dorfgarten in Neu-Eichenberg–Hebenshausen und die CSA Freudenthal bei Witzenhausen. In Freudenthal gibt es nun seit 2016 sogar auch eine Solidarische Imkerei, das Beehive Collective. Funktioniert nach demselben Prinzip: per monatlichem Mitgliedsbeitrag finanziert man die Kosten der Imkerei und erhält über das Jahr einen Anteil am Honig.
Das solidarische Prinzip beruht auf einem gemeinschaftlichen Interesse an frischen, lokalen, saisonalen und ökologisch erzeugten Waren, an einer großen Vielfalt und auf dem Wunsch, kleinbäuerliche Landwirtschaft der marktwirtschaftlichen Konkurrenz vorzuziehen.

In Witzenhausen gibt es seit Januar 2015 noch eine Besonderheit: den Mitgliederladen Fette Beute e.V. (Nordbahnhofstrasse 2F, fettebeute@posteo.de). Hier wird man Mitglied einer Einkaufsgemeinschaft, die Waren vom Bio-Großhandel Elkershausen vorhält und auch bei lokalen Produzenten einkauft. Ein vereinbartes Grundsortiment ist vorhanden und Sonderwünsche können bestellt werden. So wird das Sortiment auf den tatsächlichen Bedarf konkretisiert und Transportwege für einzelne gespart.

weitere Informationen:

Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V.