Alte Streuobstwiesen zukünftig in neuem Gewand?



Der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land und das Planungsbüro Triebwerk suchen Eigentümer und Eigentümerinnen von Streuobstwiesen und Unternehmer und Unternehmerinnen, die aktuell solche Wiesen bewirtschaften oder solche Wiesen bewirtschaften wollen. Geplant ist die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen zum Erhalt der landschaftsprägenden Baumbestände zunächst auf den Wiesen rund um Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf und Neu-Eichenberg. „Die Hochstämme auf den Obstwiesen können seit vielen Jahren nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden, werden deshalb nicht gepflegt und auch nicht nachgepflanzt. Unsere attraktive Kirschblüte rund um Witzenhausen stirbt zusehends weg und mit den Baumbeständen auch der Lebensraum für viele Tierarten“, beschreibt Dr. Sabine Budde vom GeoNaturpark Frau-Holle-Land die aktuelle Situation. Christoph Meixner vom Unternehmen Triebwerk Regenerative Land- und Agroforstwirtschaft UG ergänzt: „Bisher haben in Deutschland und auch im WerraMeißner-Kreis nur wenige einen Weg gefunden, mit dem Obst von den Streuobstwiesen Geld zu verdienen, sodass sie die Hochstämme auch pflegen und erhalten können. Wir sind deshalb überzeugt, dass wir zusätzlich zur traditionellen Obstnutzung unbedingt weitere Ansätze brauchen, um solche Flächen für die Nutzung wieder attraktiv zu machen.“ Das Projekt „Streuobst als Lebensraum erhalten durch innovative Nutzungskonzepte” soll deshalb bis Mitte 2024 umsetzbare Maßnahmen gegen den Verfall der Baumlandschaft erarbeiten. Das Unternehmen Triebwerk wird im Auftrag des Geo-Naturparks neue Bewirtschaftungskonzepte unter Einbezug neuer Baumarten, innovativer Anbauformen und Finanzierungsmodelle entwickeln. Baumarten wie Esskastanie, Walnuss und Maulbeere sind im Gespräch. Aber auch völlig neue und mit der Gesetzgebung noch nicht vereinbare Nutzungen werden ins Auge gefasst, wie z.B. eine Wertholznutzung von Vogelkirschen. Im Fokus steht die Erhaltung des artenreichen Lebensraumes durch wirtschaftliche Rentabilität und Klimastabilität. Finanziert wird das Projekt, das auch den politischen Diskurs über die aktuell begrenzten finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten mit Zahlen und Fakten anregen soll, aus dem Klimaplan des Landes Hessen. Für die Umsetzung werden jetzt Streuobstwiesen-Bewirtschaftende oder Unternehmensgründende und Akteure aus Verarbeitung und Handel mit Interesse an wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodellen gesucht. Das vorhandene Potenzial im Werra-Meißner-Kreis soll so identifiziert und in Form von wirtschaftlichen Kooperationen gebündelt werden. Ebenso sind Eigentümer und Eigentümerinnen großer Streuobstbestände (mehr als 1 ha) in den Gemeinden Neu-Eichenberg, Witzenhausen oder Bad Sooden-Allendorf eingeladen, sich mit ihren Flächen zu melden. Ganz ausdrücklich sind landwirtschaftliche Betriebe angesprochen, die viele Obstwiesen besitzen. Aus dem Pool der zur Verfügung stehenden Flächen werden je nach Eignung Modellflächen ausgewählt, an denen eine spezifisch abgestimmte Planung durch das Planungsbüro Triebwerk erfolgt. Die Akteure werden in den Prozess regelmäßig einbezogen. Ziel ist, dass nach Abschluss des Projektes möglichst viele beispielhafte Planungen zur Umsetzung kommen.

Kontakt und weitere Informationen: Streuobst WMK — Triebwerk-Regenerative Land- und Agroforstwirtschaft (triebwerk-landwirtschaft.de)

(G. Müller-Lang, Werra-Meißner-Kreis, Fachbereich Ländlicher Raum)